Coronavirus - Fällt der Festivalsommer aus?

SoulX Festival | Coronavirus – Fällt der Festivalsommer aus?

Das Coronavirus hat uns alle im Griff

Zurzeit überschlagen sich die Ereignisse. Das kulturelle Leben in Deutschland steht still. Natürlich nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern geht nichts mehr. Messen werden abgesagt, Konferenzen und Kongresse finden nicht mehr statt. Modeschauen und Sportereignisse finden ohne Zuschauer statt. Konzerte, Theater- und Kinoaufführungen, sogar Jahrmärkte und Gottesdienste werden abgesagt.

Eben denkst Du noch, das wird ein tolles Jahr, und plötzlich ist alles anders. Silvester scheint eine Ewigkeit her zu sein. Wir haben gefeiert, und viele von uns haben sich schon auf die großen Fußballfeste im neuen Jahr eingestimmt. Doch jetzt, gerade mal zehn Wochen später, ist klar, dass mindestens bis in den Sommer hinein alle großen Events und Festivals ausfallen werden. Die Fußball-Europameisterschaft, die EM 2020 wird verlegt, womöglich in den Sommer 2021!

Zurzeit sind Großveranstaltung mit mehr als 1000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen landesweit untersagt. Wie lange diese Maßnahmen andauern werden, kann niemand sagen. Klar ist jedenfalls: Je weniger Menschen zusammenkommen, die sich gegenseitig anstecken könnten, desto weniger schnell breitet sich das Virus aus #FlattenTheCurve.

Seit Anfang März werden in Deutschland Großveranstaltungen abgesagt

Vor kurzem machte die kurzfristige Absage der weltgrößten Tourismusmesse Schlagzeilen. Die ITB, die Internationale Tourismusbörse, hätte Anfang März in Berlin stattfinden sollen. Es wurden über 160.000 Besucher erwartet. Die Absage kam nur wenige Tage vor der Eröffnung.

Bis heute (Stand.Mitte März 2020) wurden in Europa schon über 470 Messen und Ausstellungen abgesagt, allein in Deutschland sind es mehr als 170. So zum Beispiel die Leipziger Buchmesse, zu der rund 280.000 Besucher erwartet wurden. Weltweit wurden über 800 Messen und Ausstellungen abgesagt oder verlegt. Die meisten davon in Europa und Asien. In den USA und Kanada werden noch viele Absagen folgen. 

Falls Du Dich auf das Harry Potter-Musical in Hamburg gefreut hast, hat Dich die Absage der Premiere sicher hart getroffen. Bis Ende März wurden auch alle Konzertaufführungen in der Elbphilharmonie in Hamburg abgesagt. Die Nachricht, dass in 300 Jahren das erste Mal auch der Hamburger Fischmarkt geschlossen blieb, war unter all den vielen Streichungen und Verlegungen von Großveranstaltungen eine eigene Schlagzeile wert.

In der Hamburger Elbphilharmonie spielte zum Beispiel James Blunt vor leeren Rängen. Seine Show wurde trotzdem als Livestream kostenlos im Internet übertragen, sodass seine Fans von zu Hause aus zuschauen konnten. Du kannst sicher davon ausgehen, dass bis Ende April nirgendwo in Deutschland ein großes Konzert stattfinden wird. Alle Auftritte werden zurzeit abgesagt oder auf einen späteren Termin verschoben.

Falls Du ein Fan von Flohmärkten bist, wirst Du leider auch auf diesen Spaß verzichten müssen. Der Beginn der Flohmarkt-Saison verschiebt sich, auch Indoor-Flohmärkte werden abgesagt.

Alles in Allem stehen wir gerade vor einem riesigen Fragezeichen. Und jeder Menge abgesagter Events. 

Sind Open Air-Veranstaltungen weniger risikoreich?

Es gibt coronasichere Alternativen zu den risikobehafteten Events, bei denen Du auf größere Menschenansammlungen triffst. Statt dich dicht gedrängt mit anderen Menschen in schlecht belüfteten Innenräumen aufzuhalten, könntest Du an die frische Luft gehen. Beim Spazierengehen, Wandern und Radfahren ist die Ansteckungsgefahr gering. Der Abstand zu einem infizierten Menschen ist entscheidend. Wenn Du einen Mindestabstand von zwei Metern einhältst, ist das Risiko, Dich anzustecken. vergleichsweise gering – solange Du nicht direkt angehustet, angeniest oder doch angefasst wirst.

Theoretisch sind Open Air-Veranstaltungen coronasicherer als Veranstaltungen, die drinnen stattfinden. Wie und was genau als „sicher“ und „unsicher“ einzustufen ist, bleibt jedoch Auslegungssache. 

Im Gegensatz zu Großveranstaltungen, die im Freien stattfinden, können Indoor-Veranstaltungen die Menschen besser voneinander fernhalten – theoretisch. Wenn in bestuhlten Konzertsälen oder Hallen nur jeder zweite Platz vergeben wird, wird automatisch ein Mindestabstand eingehalten. Das könnte im Kino, in der Kirche, in Theatern und anderen Veranstaltungsorten der Fall sein. Aber auch diese Menschen müssen durch einen gemeinsam genutzten Eingang, treffen sich bei den Erfrischungen oder benutzen die Toilettenräume. Wie sollte es da möglich sein zu garantieren, dass Du nicht neben jemandem zu stehen kommst, der infiziert ist oder mit einem Infizierten in Kontakt war?

Es gibt wohl keine Alternative: Jeder sollte Indoor-Großveranstaltungen meiden, um sich selbst und andere zu schützen. Wenn Du Dich nicht infizierst, kannst Du auch keinen anderen anstecken und verhinderst so automatisch die Ausbreitung des Coronavirus.

Wie ist der Ausblick?

Ein Zeit lang gingen Mediziner und Experten davon aus, dass sich das Coronavirus im Frühling und Sommer weniger schnell ausbreiten wird. Sie dachten, dass sich seine Verbreitung bei wärmeren Temperaturen verlangsamt und vielleicht sogar aussetzt. Aber diese Annahme ist mittlerweile nicht mehr sicher. 

Täglich überschlagen sich die Ereignisse und Meldungen. Falsch von wahr zu trennen, richtig von ausgedacht, echte News von „fakenews“. All das erscheint wieder einmal zu einem ewigen Katz- und Mausspiel geworden. Wohin die Nadel zeigt und wie weit der Zeiger der Zeit sich dreht, bleibt abzuwarten. Fakt ist: aktuell sollte niemand Großveranstaltungen besuchen. In vielen (Bundes)Ländern ist dies ohnehin nicht mehr möglich, da Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern nicht mehr stattfinden dürfen. Logische Konsequenz eben. 

Doch was ist mit den Veranstaltungen, die später, im Sommer oder gar Herbst stattfinden? 

Momentan ist es wirr und undurchsichtig, was und wann stattfinden kann und was nicht. Klar ist nur, dass eine anstehende Quarantäne und eventuelle Ausganssperre die Menschen nicht beruhigen, sondern auf Dauer beunruhigen würden. Natürlich versteht (fast) jeder, dass und wieso es momentan sinnvoll ist, den Kontakt zu Massen zu meiden. Jedoch brauchen wir auch Interaktion, Freude und Spaß. 

Von den Medien wird bisweilen suggeriert, es gehe hierbei nur um „Spaßveranstaltungen“. Und dies sei eben nicht die Zeit für „Spaß“, wie die Berliner Politikerin Dilek Kalayci kürzlich in einem Fernsehinterview sagte. Ja – und nein. Natürlich müssen wir Augen und Ohren offenhalten. Uns informieren, gemeinsam an einer kollektiven Lösung arbeiten und besonders die Schwächeren unserer Gesellschaft schützen. Doch was passiert danach? 

In China und Südkorea – die am stärksten betroffenen Länder – sehen wir, dass der Virus bereits zurückgeht. Weniger Infizierte und täglich eher positive Nachrichten. Die Folgen einer konsequenten Handlung, allemal. 

Nun steht dieser Zeit der Solidarität und Zusammenhalt jedoch auch eine zweite Seite der Medaille entgegen: Kultur, Wirtschaft, Tourismus. All das sind nicht reine „Spaßfaktoren“, sondern wichtige Säulen einer gestärkten Gesellschaft. 

Während viel Angst- und Panikmache als Clickbaiting fungiert, stellt sich die Frage, wie es weitergeht, wenn Ruhe einkehrt. Events dürfen und sollen stattfinden – unter bestimmten Voraussetzungen. Besonders Open Air Events wie Festivals müssen den Menschen einen Weg aus dem sich androhenden Quarantänevakuum bieten. Wir müssen die Chance erhalten, nachzuholen, was wir in den vorigen Monaten verpasst haben. Wir müssen kollektiv anfangen mit Spaß und Eifer bei der Sache zu bleiben und uns selbst als Individuen nicht aufzugeben. Lasst uns Corona Einhalt gebieten. Mit Sorgfalt und Achtsamkeit. Doch lasst uns nicht in eine ewig andauernde Schockstarre verfallen, die uns als Gesellschaft und Gemeinschaft lähmt. 

Es sieht so aus, als würde der Festivalsommer ausfallen, hieß es in einem kürzlich erschienenen Artikel der VICE. Für alle Betroffenen besteht die Hoffnung, dass es zeitnah Lösungen gibt. 

Veranstaltungen, die sorgfältig geplant, sauber durchgeführt und vor allem penibel gestaltet werden, indem sie den Menschen vor Ort Desinfektion, genügend Hygiene und ausreichend Platz bieten, könnten unter diesen Umständen ihre Berechtigung behalten.

Hierbei geht es um viel mehr als „nur Spaß“. Es geht hierbei um den Erhalt der kulturellen Vielfalt und den verantwortungsvollen Umgang eines jeden einzelnen Menschen. 

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/china-so-erholt-sich-die-wirtschaft-vom-coronavirus

https://www.tagesspiegel.de/sport/coronavirus-und-der-sport-wir-gehen-nicht-davon-aus-ab-dem-3-april-wieder-zu-spielen/25629232.html

https://www.morgenweb.de/newsticker_ticker,-hessen-land-verbietet-wegen-corona-treffen-mit-mehr-als-100-teilnehmern-_tickerid,121539.html

https://www.vice.com/de/article/jgek57/coronavirus-festivals-sommer-party